Begonnen hat es mit einem Einfachen :-). Inzwischen wird kaum noch eine Nachricht verschickt ohne, dass man die Botschaft und Stimmung mit dem passenden Emoji hervorhebt. 😁 Dem Emoji? Ach, am besten gleich 10 davon, damit auch ganz klar ist,
- wie witzig wir die Kollegin finden 🤡🤣🤡🤣🤡🤣🤡🤣🤡🤣
- wie wütend wir auf den Chef sind 😤😠😡👿 🤬😾‼️
- wie sehr wir uns Urlaub am Strand wünschen… ich denke, das reicht. Sie verstehen, was ich meine.
Meine Tochter schickte mir oft seitenlange Emoji-Geschichten. Inzwischen wird oft nur noch mit passenden Gifs reagiert. Aber die Idee bleibt: Wir können mit Bildern kommunizieren: mit wenigen kleinen Symbolen Gefühle, ja ganze Geschichten ausdrücken. Was in der analogen Welt mit einem schelmischen Gesichtsausdruck erklärt werden kann, wird analog mit einem zwinkernden Smiley klar als Ironie markiert.
Aber wie ist das eigentlich mit der Barrierefreiheit dieser kleinen Bildchen, die wir unseren Nachrichten, unseren Social-Media-Beiträgen oder unseren Kommentaren gern beilegen. Versteht die jeder? Werden die überhaupt irgendwie sinnvoll vorgelesen? Und wenn ja, ist das überhaupt gut, dass die gelesen werden, oder sogar schädlich?
Emoticons, Smileys und Emojis – was ist eigentlich was?
Fangen wir ganz von vorne an. Die Begriffe klingen ähnlich und werden oft verwechselt, sind aber nicht dasselbe.
Emoticons sind die Klassiker aus Zeichen. Man kennt sie alle: :-) für ein Lächeln, ;-) für Zwinkern oder :-( für Trauer. Sie bestehen nur aus Buchstaben, Zahlen und Satzzeichen.
Smileys sind die gelben Gesichter. 🙂 Sie wirken emotionaler als Emoticons und werden direkt als Bild wahrgenommen. Der klassische Smiley wurde übrigens schon 1963 erfunden und sollte Angestellte eines Versicherungsunternehmens aufheitern.
Emojis sind der große Bruder der Smileys. Sie sind standardisierte Symbole für alles Mögliche: Gesichter, Tiere, Gegenstände, Herzen, Sonne, alles. ❤️ 🐶 🌞 Sie funktionieren plattformübergreifend, sehen überall ähnlich (aber selten gleich) aus und können noch viel mehr Gefühle oder Ideen ausdrücken.
Emoticons und die Barrierefreiheit
Der Vorteil von Emoticons ist klar: sie funktionieren überall, sogar in einfachen Textnachrichten. Aber wer ein Hilfsmittel wie einen Screenreader nutzt, bekommt oft nur vorgelesen: „Doppelpunkt Strich Klammer“. Das würde wohl kaum jemand sinnvoll als Lächeln verstehen. Und auch international unterschieden sich die verwendeten Zeichen stark. Hätten Sie ㅡ^ㅜ noch als Gesicht erkannt?
Es ist also nicht ganz einfach mit Emoticons so zu kommunizeren, dass jeder versteht, was gemeint ist. In der privaten Nachricht an die Freundin? Fein. In Texten, die eine breitere Zielgruppe haben? Da wird es schwierig. Wenn möglich, verzichten Sie zugunsten einer für alle verständlichen Sprache also lieber auf Emoticons.
Aber was, wenn wir sie doch unbedingt brauchen? Nun, wenn wir verstehen, dass es sich bei diesen kleinen Zeichen eigentlich um Bilder handelt (als solche wollen wir sie schließlich verwenden), dann ist auch klar, was wir brauchen: einen Alternativtext.
<span role="img" aria-label="weinendes Gesicht">T_T</span>
Mit der passenden ARIA-Rolle sagen wir dem Screenreader, dass wir hier ein Bild definiert haben. Den Alternativtext können wir dann als aria-label hinterlegen. Ein aria-label ersetzt den Inhalt vollständig, die Satzzeichen werden also nicht vorgelesen.
Sind Emojis barrierefrei?
Auch Smileys (und Emojis im Allgemeinen) können natürlich missverstanden werden. Zwar ist in den meisten Fällen klar, was man sieht, aber nicht immer, was es einem sagen soll.
Wollen Sie mal raten? Wofür steht dieser Emoji: 😪?
Ist die Person traurig und weint gerade? Hat sie einen starken Schnupfen? Beides falsch. Das Emoji kommt aus der Anime-Welt und zeigt eine sehr müde, erschöpfte Person mit geschlossenen Augen, einem leicht geöffneten Mund und einer kleinen „Rotzblase“ an der Nase.
Screenreader lesen Emojis in den meisten Fällen übrigens vor. Sie haben aber keine Kontrolle darüber, was eigentlich vorgelesen wird. Die jeweiligen Alternativtexte sind fest im System hinterlegt, da es sich technisch um normale Satzzeichen handelt. Nicht immer ist es also womöglich das, was Sie aussagen wollten. Um so wichtiger ist es, dass Sie die Bedeutung der Symbole gut kennen. Nutzer und Nutzerinnen von Screenreadern werden in jedem Fall die korrekte (von den Erfindern erdachte) Bedeutung angesagt bekommen.
Aber wenn Screenreader die Symbole vorlesen, dann ist aus Sicht der Barrierefreiheit doch alles gut, oder? Nicht ganz. Denn die Beschreibungen sind mitunter recht lang und ausführlich. Das gilt insbesondere dann, wenn Hautfarben geändert werden. Gelb ist praktisch der Standard, alles andere wird angesagt. Sie merken also: setzen wir gleich mehrere Emojis hintereinander, dann werden aus einem kurzen Alternativtext schnell längere Monologe. Das ist besonders dann nervig, wenn es sich immer wieder um dasselbe Symbol handelt.
GIFs – animierte Bilder oder Minivideos
GIFs sind die bewegten Spaßmacher im digitalen Alltag. Ein kurzer Clip, oft nur ein paar Sekunden lang, sagt mehr als tausend Worte: ein Lachen, ein Kopfschütteln, eine witzige Reaktion auf den Post einer Kollegin.
Dabei sind GIFs eben nicht nur Bilder. Sie sind kleine Miniatur-Videos. Das Problem: Animationen können Barrieren erzeugen. Werden sie automatisch abgespielt, kann das ablenken oder sogar zu Überreizungen führen. Menschen mit Epilepsie oder vestibulären Störungen können bestimmte Animationen nicht ohne Risiko sehen. Und für Screenreader-Nutzer ist ein GIF ohne Beschreibung wie jedes andere Bild ohne geeignete Alternative meist komplett nutzlos.
GIFs richtig barrierefrei einsetzen
Damit GIFs barrierearm eingesetzt werden können, sollten bestimmte Grundregeln eingehalten werden:
- Alternativtext hinterlegen: GIFs sind kleine Geschichten, nicht nur Dinge. Beschreiben Sie, was passiert. Zum Beispiel: „Katze nickt zustimmend auf einem Stuhl“ statt nur „Katze“.
- Autoplay-Optionen beachten: Wenn möglich, GIFs pausierbar machen oder nur auf Klick starten. Dann haben Nutzer die Kontrolle darüber, wie oft Sie die Katze wirklich nicken sehen wollen.
- Animation kurz halten: Lange, wiederholende GIFs erzeugen Stress und wirken unübersichtlich. GIFs sind kein Video-Ersatz und sollten nach kurzer Zeit von allein wieder anhalten.
GIFs können genauso wie Emojis Gefühle und Reaktionen transportieren – aber nur, wenn wir bewusst an alle denken.
Fazit – hilfreich aber gefährlich
Emoticons, Smileys, Emojis und GIFs sind großartig, um Emotionen sichtbar zu machen und Stimmung zu transportieren. Sie können Humor, Freude oder Ironie auf den Punkt bringen und Texte lebendig machen. Gerade in Chats oder Social-Media-Beiträgen hilft das, Gefühle schnell zu vermitteln.
Aber Vorsicht: Sie sollten sparsam eingesetzt werden und immer nur ergänzend, niemals als Ersatz für einzelne Wörter. Sätze wie: „Ich gehe heute 🚴♀️ mit 👵, wird 😎“ sind nicht nur unheimlich schwer zu lesen. Sie sind verwirrend und können schnell zu Missverständnissen führen. Emojis mitten im Satz brechen außerdem den Lesefluss, besonders für Menschen, die Screenreader oder andere Hilfsmittel nutzen. Deshalb gilt: Emojis möglichst am Ende eines Satzes setzen, nicht mittendrin.
Kurz gesagt: Bilder und Symbole sind ein mächtiges Werkzeug – aber sie funktionieren nur, wenn sie bewusst, gezielt und ergänzend eingesetzt werden. Wer das beherzigt, macht seine Nachrichten, Beiträge oder Texte für alle verständlich und barrierearm, ohne dass die Botschaft verloren geht. 👍
Mehr zum Thema Barrierefreiheit in den Sozialen Medien gibt es übrigens hier: Barrierefreiheit in den sozialen Netzwerken – eine Checkliste für barrierefreie Social Media Posts