Barrierefreiheit und SEO – Freund oder Feind?

28.2.2024
Absurde Illustration: Ein Panda mit überdimensional großer Brille sitzt auf einer Lupe wie auf einem fliegenden Teppich. Bedeutung: Steht symbolisch für eine gute Suchmaschinenoptimierung.

SEO und die Umsetzung einer barrierefreien Website benötigen viel Aufmerksamtkeit. Aber widerspricht sich das oder ergänzen sich Barrierefreiheit und SEO sogar?

Inhaltsverzeichnis

Viele Betreiber von Internetseiten legen Wert auf eine intensive Suchmaschinenoptimierung (SEO) und investieren viel Zeit und Budget darin. Klar, bringt sie doch unmittelbare und messbare Resultate. Der fachkundige Berater Ihres Vertrauens kann in Zahlen und Tabellen belegen, wie sich die Sichtbarkeit verbessert hat, wie die Seite im Vergleich zur Konkurrenz dasteht und wo noch Potentiale liegen. Doch wie passt eine barrierefreie Umsetzung in dieses Bild? Super! Barrierefreiheit und SEO ergänzen sich perfekt Schauen wir uns 3 gute Gründe an, wieso Sie Ihre Website barrierefrei machen sollten und wie das Ihr Suchmaschinenranking verbessert.

1. Erweiterung der Zielgruppe

Wer sich über die Zielgruppe seiner zukünftigen Website zu Beginn eines Projektes Gedanken macht, denkt oft in Kategorien wie Alter, Beruf, Geschlecht oder Hobbies. Vielleicht auch an bestimmte Charaktereigenschaften. Was allerdings oft vergessen wird ist, ob die Personen, die man im Kopf hat, irgendwelche Einschränkungen haben. Dabei sprechen die Zahlen klar für eine barrierefreie Website:

  • Bis zu 10% der Männer und 1% der Frauen besitzen eine Rot-Grün-Sehschwäche.
  • In Deutschland gelten 7,8 Millionen Menschen als schwerbehindert, also ebenfalls fast 10%.
  • 18.7 Millionen Menschen in Deutschland sind bereits über 70 Jahre alt.
  • Mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung trägt eine Brille, in Deutschland sogar fast die Hälfte.

Werden all diese Menschen ausgeschlossen bei der Bedienung Ihrer Website, geht Ihnen damit viel Kundschaft verloren. Investieren Sie jedoch in eine barrierefreie Umsetzung Ihrer Seite, dann erweitern Sie Ihre Reichweite und verbessern so automatisch das Ranking in den relevanten Suchmaschinen. Barrierefreiheit und SEO werden also gemeinsam verbessert.

2. Screenreadertauglich heißt suchmaschinentauglich

Screenreader sind weit verbreitete Assistenztechnologien, um visuelle Inhalte akkustisch auszugeben. Sie werden von Blinden, aber auch von Menschen mit starken Sehbeeinträchtigungen verwendet um Internetseiten wahrzunehmen und zu bedienen.

Damit das funktioniert müssen die Websites entsprechend aufbereitet sein. Kann der Inhalt von einem Screenreader automatisch ausgewertet werden, so kann er das auch von den sogenannten Bots der Suchmaschinen. Barrierefreiheit und SEO gehen Hand in Hand.

Semantisch korrektes HTML

Besonders wichtig für die Barrierefreiheit ist die korrekte Semantik des HTML-Quelltextes. Das heißt, Elemente werden so eingesetzt, wie sie von Ihrer Bedeutung her vorgesehen sind. Es gibt Elemente für die Navigation, Listen, Links zu anderen Seiten, Bilder, Überschriften aber auch den Seitenkopf und Seitenfuß. Werden diese korrekt verwendet, dann können Nutzer von Screenreadern ohne Umwege erkennen, wie sie mit dem Element interagieren können, und verstehen den Aufbau der Seite besser.

Aber auch Suchmaschinen profitieren von einem gut strukturierten Aufbau. Eine schlüssige Überschriftenstruktur hilft, die Relevanz der Inhalte zu bestimmten Suchbegriffen besser zuzuordnen. Dadurch verbessert sich ihr Ranking in diesen Suchbegriffen.

Alternativtexte erklären auch der Suchmaschine das Bild

Alternativtexte für Bilder und Untertitel für Videos bieten Nutzern von Screenreadern die Möglichkeit, visuelle Inhalte gut wahrzunehmen. Unterscheiden Sie auf diese Weise zwischen relevanten Inhalten und rein illustrativen Gestaltungselementen. Letztere erhalten einen leeren Alternativtext und werden so von Screenreadern ignoriert. Gleichzeitig bieten Alternativtexte aber die Möglichkeit, Suchmaschinen die Inhalte zugänglich anzubieten. Vermeiden Sie aber, diese zu verwenden, um sie verdeckt mit Keywords zu bombardieren. Das wird nicht nur von Suchmaschinen abgestraft sondern entspricht auch im Sinne der Barrierefreiheit nicht ihrem Zweck. Wie ein guter Alternativtext geschrieben sein sollte, habe ich früher schon einmal verbloggt.

Sprechende Linktexte helfen Barrierefreiheit und SEO

Fast jeder wird es schon einmal gesehen haben auf der Suche nach einem Link zu wichtigen Informationen oder dem Abmelden-Link in einem Newsletter: die hier-Links. Formulierungen wie „Klicken Sie hier“ oder „Erfahren Sie mehr“ . Für sehende Nutzer ergibt sich der Sinn des Links oft durch den Kontext, den Text der vor oder nach dem entsprechenden Link steht. Nutzt man jedoch einen Screenreader, so geht dieser offensichtliche Kontext durch die Art des Vorlesens oft verloren. Viele Nutzter navigieren direkt von Link zu Link, der umgebende Text wird so garnicht vorgelesen und Sie verbleiben mit 10 aufeinanderfolgenden „hier“ oder „mehr“. Das ist nicht nur frustrierend, sondern führt auch dazu, dass diese Links vermutlich nicht aufgerufen werden.

Sprechende Linktexte helfen aber nicht nur den Nutzern, sondern sorgen auch dafür, dass Suchmaschinen die Bedeutung des Links verstehen und die Inhalte besser indizieren können. Schließlich wollen Sie sicherlich nicht für das Wort „hier“ in den Suchmaschinen ranken, oder?

3. Verbesserung der Verweildauer

Zufriedene Nutzer bleiben länger auf Ihrer Website, das leuchtet ein. Natürlich gilt das auch für Menschen mit Beeinträchtigungen. Für diese womöglich besonders, denn eine nicht benutzbare Seite sorgt dafür, dass man diese sofort wieder verlässt. Google wertet das als die sogenannte Bounce-Rate, ein Wert der Aufschluss darüber gibt, wieviele Nutzer wohl auf den ersten Blick erkannten, dass diese Seite nicht ihren Wünschen entspricht. Zusätzlich wertet Google die Verweildauer auf einer Website positiv und geht davon aus, dass der Inhalt relevant für die Bedürfnisse des Nutzers war. Eine barrierefreie Umsetzung fördert also die Verweildauer beeinträchtiger Nutzer und verbessert so das Ranking Ihrer gesamten Internetseite.

Fazit

Es gibt viele gute Gründe, eine Website barrierefrei umzusetzen. Sei es die Erweiterung der Zielgruppe oder die Verpflichtung, die sich aus der BITV oder dem BFSG ergibt. Suchmaschinenoptimierung ist ein weiteres gutes Argument, die eigene Website nutzerfreundlich und barrierefrei umzusetzen. Es lohnt sich, Barrierefreiheit und SEO von Anfang an mitzudenken und gleichberechtigt zu optimieren.